Was ist HD - Hüftdysplasie? - Club für Olde Bulldogges in Deutschland - COBD e.V.

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Was ist HD - Hüftdysplasie?

Wie bei nahezu allen Hunderassen spielt diese Erkrankung bei unseren Bulldoggen eine ganz besondere Rolle - die Rede ist von Hüftdysplasie, kurz in der allgemeinen Umgangssprache als HD bezeichnet. Immer wieder ist die Rede davon, doch was genau ist das eigentlich? Und was bedeutet das? 
Wir wollen auf dieser Seite versuchen, das Thema allgemein verständlich aufzubereiten und einige Antworten zu geben. 

Fangen wir mit der einfachsten Frage an.
Was ist eigentlich Hüftdysplasie - HD?

Hüftdysplasie (kurz HD) ist eine genetisch bedingte, also erbliche Erkrankung der Hüftgelenke, die in ihrer Ausprägung und Intensität durch äußere Umstände beeinflusst wird. Sie tritt bei nahezu allen Hunderassen auf. Die Erkrankung ist nicht heilbar. 
Grob formuliert passt bei der HD das obere, kugelförmige Ende des Oberschenkelknochens (Femurkopf) nicht korrekt in die Gelenkspfanne (Acetabulum). Das gesamte Gelenk ist meist übermäßig locker, was zu teils erheblichem Spiel zwischen den beiden gelenkbildenden Knochen führt. Durch das erhöhte Spiel und die fehlende Passgenauigkeit der beteiligten Knochen kommt es im Laufe des Lebens eines Hundes zu erhöhter Arthrosebildung. Letztlich führt das dann zu teils erheblichen Schmerzen des Hundes und bringt eine deutlich eingeschränkte Beweglichkeit und Stabilität mit sich. Weiterführende vertiefende Informationen über Ursachen, Symptome, Diaknostik und Therapie von HD sind u. a. auf der Seite der GRSK beschrieben. 

HD kann nur durch ein spezielles Röntgen unter Vollnarkose diagnostiziert werden. Beim Röntgen muss der Hund auf spezielle Art gelagert und die Gelenke in bestimmter Weise eingedreht und überstreckt werden. Dies ist ohne Narkose nicht möglich. Die so erstellten Röntgenbilder der Hüfte müssen dann von einem spezialisierten Experten begutachtet werden. Die von den großen internationalen Verbänden anerkannten Gutachter sind in Deutschland im GRSK e.V. organisiert, eine Liste der anerkannten Gutachter findet sich auf der Webseite der GRSK 
Der COBD e.V. arbeitet seit seiner Gründung mit der GRSK-Gutachterin Dr. Silke Viefhues (HD-Zentrale Ahlen) zusammen, um auf hohem Niveau entsprechende Begutachtungen unserer Zuchthunde sicherzustellen. Bei den Bulldoggen kommt HD leider relativ häufig vor - dies ist im Wesentlichen bedingt durch das Erbe der Englischen Bulldogge. Mangelhafte Selektion über Jahrzehnte lässt sich leider nicht über Nacht korrigieren. Dazu kommt erschwerend, das die Vererbungssystematik von HD noch weitestgehend unbekannt ist. Allerdings haben Bulldoggen durch ihre äußerst starke Muskulatur und die sich daraus ergebenden Stütz- und Haltemechanismen nur selten wirklich schwerwiegende Probleme mit der Hüfte. 

Wie ist das mit HD in der Zucht? Darf man mit HD züchten? 

Bei der Begutachtung der Röntgenbilder wird die Hüftgelenkssituation in verschiedene HD-Grade von A bis E eingeteilt. HD-A entspricht dabei einer HD-freien Hüfte, HD-E entspricht einer schweren HD. Legt man die Maßstäbe der GRSK der Begutachtung zu Grunde, ergibt sich leider das Bild, das die große Masse der Bulldoggen realistisch betrachtet in der Mitte landet. Ein Ergebnis von HD-C (leichte HD) ist eigentlich schon fast der Standard. Ein kleinerer Anteil wird mit HD-B (Grenzfall/Übergangsform) bewertet, der Anteil der Bulldoggen mit HD-A (HD-frei) ist fast schon verschwindend gering. Häufig liest man auf diversen Züchterseiten von HD-freien Bulldoggen - die meisten dieser als vermeintlich HD-frei eingestuften Bulldoggen wurden nicht von einem anerkannten GRSK-Gutachter bewertet. Der Wert solcher Deklarationen ist daher begrenzt und stellt in unseren Augen oft eine Irreführung dar. 

Gemäß der Zuchtordnung des COBD e.V. ist ein Einsatz in der Zucht bis zu einem Wert von HD-C zulässig. Alle zur Zucht eingesetzten Hunde müssen zwingend VOR dem Zuchteinsatz von einem GRSK-Gutachter ausgewertet worden sein. Würden wir die Zucht ausschließlich auf Hunde mit einem Wert von A oder B nach GRSK-Maßstäben beschränken, wäre die Zahl der als zuchttauglich zu betrachtenden Hunde so gering, das eine auf genetische Vielfalt ausgerichtete Zucht, so wie wir sie anstreben, realistisch betrachtet nicht mehr möglich wäre. Mit der dann verbleibenden genetischen Basis, dem  sogenannten Genpool, der uns dann für die Zucht noch verbleiben würde, liefen wir kurzfristig in eine Situation, in der nur noch engste Linienzucht möglich wäre. Um dies zu vermeiden und langfristig betrachtet eine Grundlage zur Selektion zu schaffen, ist ein Ausschluss von Hunden mit dem Ergebnis C derzeit unrealistisch. Wenn man zusätzlich berücksichtigt, das Bulldoggen mit dem Ergebnis C aufgrund ihrer starken Bemuskelung nahezu nie irgendwelche spürbaren Probleme mit den Hüftgelenken zeigen werden, ist dies aus unserer Sicht vertretbar. Selbstverständlich verfolgen auch wir im COBD das Ziel, mittel- bis langfristig weitere Verbesserungen der HD-Situation zu erreichen, um in der Zukunft auf den Einsatz von Hunden mit HD-C verzichten zu können. Wir halten allerdings nichts davon, sich an der Stelle etwas vorzumachen. Der Weg bis dahin ist noch weit.
Wie vererbt sich HD? Und welche Rolle spielen Ernährung und Belastung des Hundes?

Immer wieder wird von etlichen skrupellosen Welpenproduzenten behauptet, das HD nicht erblich wäre. Es wird unterstellt, das HD angeblich nur durch mangelhafte Ernährung oder Überbelastung im Welpenalter entstehen würde. Derartige Aussagen sind schlicht Nonsens und sollen vermutlich nur versuchen, von Versäumnissen der jeweiligen Welpenproduzenten abzulenken. Oft wird derartiger Unfug insbesondere von Jenen behauptet, die ihre Zuchttiere nicht auf HD und andere Erkrankungen auswerten lassen. Doch wie sieht die Realität aus? 

Der genaue Erbgang der HD ist bisher nicht bekannt. Man geht jedoch von einer polygenetisch beeinflussten Vererbung aus. Das bedeutet, das an der Vererbung mehrere Gene beteiligt sind. Welche genau das sind, ist für die meisten Rassen bisher nicht erforscht. Forschern der Tierärztlichen Hochschule Hannover ist es gelungen, die beteiligten Gene und Stoffwechselwege beim Deutschen Schäferhund zu identifiziern. Dies wurde im Jahr 2014 veröffentlicht und kann hier nachgelesen werden: Pressemitteilung der TiHo HannoverMit diesen Forschungsergebnissen im Hintergrund sollte auch dem letzten Zweifler klar werden, das HD zu einem wesentlichen Prozentsatz durch erbliche Anlagen verursacht wird. 

Um sich zu verdeutlichen, wie komplex das Thema polygenetische Vererbung zu betrachten ist, hilft ein einfaches mathematisches Spiel mit der Vererbungslehre. 
Vererbung bedeutet letztlich nichts Anderes, als das sich die DNA eines Nachkommens immer zu einer Hälfte aus der DNA der Mutter und zur anderen Hälfte aus der DNA des Vaters ergibt. Jedes Chromosom ist in den Genen immer doppelt angelegt, eine Hälfte von der Mutter, eine Hälfte vom Vater. Jeder Hund trägt in seiner DNA immer genetische Informationen über gesunde Hüften als auch Informationen über kranke Hüften. Ziel muss es sein, möglichst viele Erbinformationen über gesunde Hüften in einem Hund zu konzentrieren (Selektion auf Eigenschaften)
Nach den Grundsätzen der Vererbungslehre in Verbindung mit der Mathematik steigt die Anzahl der möglichen genetischen Kombinationen mit der Anzahl der beteiligten Gene. Wenn man unterstellt, das an der Vererbung von HD eventuell zehn Gene beteiligt sind, ergibt das bei einer Verpaarung mathematisch 2 hoch 10 (also 1064) mögliche genetische Konstellationen für jedes Elternteil, für jeden Welpen also 1064 x 1064 mögliche genetische Variationen. Das ist mehr als eine Million möglicher Varianten. Sehr interessante, weiterführende Informationen zur grundsätzlichen Systematik der Vererbung finden sich hier Grundkurs Genetik
Unterstellt man nun, das beispielsweise immer dann eine HD zum Ausbruch kommt, wenn in Summe die Erbinformationen über kranke Hüften überwiegen, dann lässt sich abschätzen, das die Wahrscheinlichkeit auf gesunde Hüften steigt, je mehr Hunde mit gesunden Hüften in den Vorfahren eines Hundes enthalten sind. Es wird allerdings auch deutlich, das aufgrund der Vielfalt der möglichen Variationen selbst bei der Verpaarung von gesunden Hüften immer mal wieder weniger gesunde Hüften dabei herauskommen können. Es geht schlicht darum, durch Selektion die Wahrscheinlichkeit auf gesunde Hüften zu erhöhen.

Richtig ist allerdings auch, das durch eine zu reichhaltige, übermäßige Ernährung insbesondere im Welpenalter durchaus Einfluss auf die Entwicklung der Gelenke genommen werden kann. Gerade in den kritischen Wachstumsphasen während des ersten Lebensjahres kann bei einer vorhandenen genetischen Veranlagung die Gelenkentwicklung deutlich beeinflusst werden. Wird ein Hund mit Übergewicht und übermäßiger, körperlicher Belastung gequält, hat dies spürbare Auswirkungen auf die Ausprägung und den Schweregrad einer eventuell auftretenden HD. Gibt es allerdings diese genetische Veranlagung nicht, wird auch durch Übergewicht und Belastung keine HD ausgelöst. 
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